Wie plant man richtig? Dies ist ein Thema, das fast jeden angehenden Schriftsteller betrifft, denn ich denke, dass es großen Einfluss darauf hat, warum viele literarische Projekte unvollendet oder minderwertig enden.
Es gibt zwei Arten von Schreiberlingen: die 'Planer' und die 'Entdecker'.
Während ein Planer vorher viel Zeit (bei einem Roman gerne mal Monate) damit verbringt, alles bis ins Details durchzugehen und zusammenzufügen, schreibt ein Entdecker einfach drauf los. Er hat einige Szenen und Ideen bereits im Kopf und hofft, dass sie sich brauchbar zusammenfügen werden.
Ich glaube jedoch, dass keine dieser Methoden alleine wirklich gute Ergebnisse liefern kann. Der beste Weg scheint mir, beides zu meistern. Warum?
Planer haben das Problem, dass, egal wie sehr sie sich auch anstrengen mögen, sie keinen kompletten Roman vorher im Kopf haben können. Egal, was sie auch denken mögen, bevor sie angefangen haben. Ich selbst dachte das, musste mir dann aber eingestehen, dass ich nach 10 Wochen und 30 Seiten Outline immer noch nur ein grobes Gerüst in der Hand hatte. Hätte ich es nicht geschafft, trotzdem einfach loszuschreiben, würde ich wohl immer noch im ersten Kapitel hängen!
Die andere Seite, die Entdecker, die das drauflos schreiben mit links beherrschen, werden erst später auf Probleme stoßen. Entweder wenn ihnen auf halbem Weg die Ideen und damit die Motivation ausgeht, oder am Ende, wenn sie das Buch theoretisch fertig haben, aber ihm eben an etwas fehlt. (Und wenn der Autor es nicht selber merkt, dann spätestens der Lektor!) Etwas, das sich nicht direkt greifen lässt. Und das sind zusätzliche Ebenen der Geschichte. In Romanen steckt stets mehr als nur eine große Geschichte. Aber diese zusätzlichen Thematiken einzufügen, während man nicht weiter voraus und zurück denkt als ein Kapitel ist schlicht nicht möglich. Jetzt, hinterher, kann man sich natürlich Gedanken darüber machen... und dann das Buch noch einmal komplett umschreiben, um diese Ebenen einzufügen und darauf zu achten, dass auch alles noch zusammenpasst. Bei Kurzgeschichten mag das funktionieren, aber ich habe bisher niemanden getroffen, der die Ausdauer hatte, das bei einem Roman mit über hunderttausend Worten durchzuziehen.
Folglich gibt es nur eine Lösung: man muss beide Wege gemeistert haben. Ein paar Wochen im Voraus schon die Thematiken abgesteckt haben, aber dennoch flexibel bleiben und einfach mal drauflos schreiben. Kapitel wegwerfen, das tun auch die Besten der Branche. Und je mehr man vorher plant, desto mehr wird man davon wieder verwerfen oder ändern. Was aber kein Grund ist, weniger zu Planen. Ganz im Gegenteil! Romane sind Kunstwerke. Nicht starr, sondern in stetem Wandel, solange man daran arbeitet.

April 2009
März 2009